Begeistern Sie Ihre Zuhörerschaft in Vorträgen, die wirklich mitreißen, statt zu langweilen

Präsentieren ohne Powerpoint

Oder: Ali Baba und die 40 Folien

Rede vor einem Publikum
Rede vor einem Publikum

Welche Informationsveranstaltungen oder Reden sind es, an die Sie sich am besten und am liebsten erinnern? Sind es diejenigen, bei denen jemand eine Präsentation an die Wand geworfen und dann mehr oder weniger uninspiriert abgelesen hat? Oder sind es diejenigen, bei denen jemand weitgehend ohne multimediale Hilfsmittel etwas erzählte, das Sie wirklich gefesselt hat?
Bei mir sind es definitiv die raren Veranstaltungen, bei denen jemand wirklich etwas Interessantes zu sagen hatte, ohne mit effekthaschenden Beamer-Präsentationen zu arbeiten. Diejenigen Veranstaltungen, bei denen die Vortragenden und ihre Reden im Vordergrund standen, die mich begeistern und fesseln konnten.

Warum sind dennoch so viele Vorträge sterbenslangweilig?

Ich bin mir da nicht sicher. Aber ich vermute, es ist eine Mischung aus mehreren Faktoren:

  • Die vortragende Person ist nicht sattelfest im Thema.
  • Die vortragende Person ist unsicher, weil sie noch nie (oder zu selten) freie Reden gehalten hat.
  • Die Besucher des Vortrages erwarten (oder fordern gar) eine multimediale Präsentation.
  • Es wird eine klassische Medien-Präsentation abgehalten, weil das halt alle so machen.

Es gibt sicherlich noch zahlreiche andere mögliche Gründe, aber alle sind gleich furchtbar.

Erinnern Sie sich noch an den britischen Schauspieler, Schriftsteller und Regisseur Sir Peter Ustinov? Wenn er, alleine auf der Bühne, wortreich und witzig Anekdoten aus seinem Leben erzählte, benutzte er keinerlei Hilfsmittel („Ein Abend mit Peter Ustinov“ aus dem Jahr 1996). Und er war amüsant, fesselnd und kurzweilig. Klar, er hat über Stationen seines Lebens berichtet und keinen Vortrag gehalten über die Langzeitrentabilität einer Investition oder eine neue Marktstrategie. Wobei er darüber sicherlich genauso frei und überzeugend hätte sprechen können.

Oder nehmen wir die Rede von Arnold Schwarzenegger im Jahr 2018 über Erfolg, die damit verbundene harte Arbeit und Menschen, die ihm seinen Traum ausreden wollten. Nur Arnold, kein Powerpoint, keine Multimedia-Präsentation. Mit monotonem Ablesen von Präsentationen wäre er vermutlich auch nicht Gouverneur von Kalifornien geworden.

Ein anderes Beispiel – diesmal ein Unternehmer, der ein neues Produkt vorstellt. Steven Jobs auf der MacWorld 2007 präsentiert das damals ganz neue iPhone. Im Hintergrund läuft parallel zu seiner Rede eine Präsentation, die trotzdem nie den Redner zum Vorleser degradiert oder ihn in die Bedeutungslosigkeit drängt, denn der Redner ist immer im Zentrum des Geschehens. Und nein, ich habe weder ein iPhone noch einen Mac, aber Können muss man einfach mal marken- und personenneutral anerkennen.

Ein letztes Beispiel: die fantastische Vera F. Birkenbihl, Coach und Management-Trainerin. Wenn Sie die Möglichkeit haben, einige ihrer Kurse, die im Vorlesungssaal einer Universität aufgezeichnet wurden, anzusehen, dann tun Sie das bitte. Sie erklärte komplexe Sachverhalte verständlich, mit Humor und einem Engagement, das zeigte: sie stand mit vollem Herzblut hinter dem Thema. Der gute alte Overhead-Projektor kam nur unterstützend zum Einsatz, sie war stets die Hauptperson.
Nur ein paar Anregungen: “Birkenbihl on Management: Irren ist menschlich – managen auch”, “Best of Birkenbihl: Alles, was man über das Denken und Lernen wissen muss”, oder “Rhetorik: 50 Übungskarten für erfolgreiche Redekunst”. Sie werden sich garantiert nicht langweilen 🙂

Was haben all diese Menschen gemeinsam?
Sie sprechen über etwas, das ihnen wichtig ist, das sie bewegt, von dem sie überzeugt sind, das sie begeistert. Und von dem sie Ahnung haben.

Was bedeutet das für uns als Vortragende?

  • Wir müssen überzeugend sein. Am besten, indem wir von dem, worüber wir sprechen, tatsächlich selbst überzeugt sind.
  • Unser Vortrag sollte nicht nur fachlich überzeugen, sondern auch begeistern. Ein bisschen wenigsten. Wer langweilt, spricht bald zu vor sich hindämmernden Zuhörern. Und wenn wir uns nicht begeistert von unserem Produkt, unserer Dienstleistung oder unserer Lösung zeigen – wie wollen wir dann erst unsere Geschäftspartner überzeugen?
  • Der Vortrag soll das Publikum bewegen, zumindest ein wenig die emotionale Ebene berühren. Es müssen ja nicht gleich Freudentränen sein … Wenn wir uns beim Vortrag nicht ins Gedächtnis des Publikums einbrennen, macht das jemand anderes. Der verkauft dann seine Idee, nicht wir die unsere. Denn an uns erinnert man sich schlicht nicht mehr.
  • Und nicht zuletzt sollten wir verdammt noch mal wissen, wovon wir reden. Nur sehr wenige Menschen dürften in der Lage sein, ein Verkaufsgespräch über etwas zu führen, von dem sie keine Ahnung haben. Und das auch noch frei und erinnerungswürdig. Wir müssen in unserem Thema sattelfest sein, nur dann können wir auf das Publikum reagieren und auch mal vom Vortragsleitfaden abweichen, wenn es erforderlich wird. Außerdem – und damit schließt sich der Kreis zum ersten Punkt der Liste – wie können wir von etwas überzeugt und begeistert sein, von dem wir keine Ahnung haben? Das ist nicht glaubwürdig und wird vom Gegenüber schnell entlarvt.

Multimediale Präsentationen (egal welche und mit welchem Hilfsmittel – Powerpoint steht hier nur stellvertretend für Präsentationssoftware im Allgemeinen) sollten immer nur ein überlegt eingesetztes Hilfsmittel sein, aber nie zum Selbstzweck werden.

Mein langjähriger Freund und Coach Jürgen Häußner hat zum Thema „freie Rede“ den lesenswerten Artikel „Ali Baba und die 40 Folien“ geschrieben („Präsentieren ohne Powerpoint … oder wie man sich durch den eigenen Auftritt von der Konkurrenz abheben kann“), den ich mit seiner freundlichen Genehmigung hier veröffentlichen und zum Download anbieten darf.

Ich kann nur jedem, der Vorträge, Verkaufs- oder Beratungsgespräche halten will, empfehlen, diesen Artikel aufmerksam zu lesen und für sich so viel wie möglich davon umzusetzen. Vielleicht hilft es, die oben angesprochenen Shows / Reden von Sir Peter Ustinov, Arnold Schwarzenegger, Steve Jobs und Vera F. Birkenbihl anzusehen. Sie werden gefesselt und gut unterhalten sein, versprochen!

Mit besten Grüßen, Ihre linCK-IT


„Ali Baba und die 40 Folien“ von Jürgen Häußner können Sie als PDF-Dokument herunterladen und gerne (unverändert) weitergeben.


Bildnachweis:
Beitragsbild “Mann in kleiner Arena” von Alexandre Pellaes auf Unsplash
Artikelbild “Vortragender vor Publikum” von Jeremy McGilvrey auf Unsplash